Idee und Hintergrund

Die Idee zum wissenschaftlichen Projekt palliaHOMEmed entstand im Landkreis Ebersberg. Der Wunsch der überwiegenden Zahl von Patienten, zu Hause im Kreise der Angehörigen in Würde zu versterben und bis zuletzt von ihrem vertrauten Hausarzt behandelt zu werden, lässt sich derzeit allzu häufig nicht erfüllen. Mit palliaHOMEmed wollen wir dies gemeinsam ändern.

Herr Willi Daniels ist selbst Patient, Gründer und Vorstandsvorsitzender von Insulthilfe e.V. Er setzt sich seit Jahren mit Initiativen und Projekten für Schlaganfall-Betroffene ein. Der schwer betroffene Schlaganfallpatient mit einer Sprach- und/oder Bewusstseinsstörung steht beispielhaft für die Gruppe von Patienten, die von einer spezialisierten ambulanten Palliativmedizin  in der letzten Lebensphase profitieren würden. Wir wollen die Erfahrungen von Insulthilfe e.V. auf die Palliativmedizin übertragen, um es bewusstseins- und/ oder kommunikationsgestörten Patienten zu ermöglichen, in der letzten Lebensphase im häuslichen Umfeld versorgt zu werden und zu Hause friedlich und in Würde zu versterben. Aus wissenschaftlichen Untersuchungen ist bekannt, dass Patienten mit einer Sprachstörung (beispielsweise Schlaganfallpatienten) weniger Schmerzbehandlung erhalten als nicht kommunikationsgestörte Patienten (Prof. Borasio, persönliche Mitteilung).

Die häusliche Versorgung von bewusstseins- und/ oder kommunikationsgestörten Palliativpatienten in der Region soll mithilfe von bereits verfügbaren modernen telemedizinischen Techniken mit Bild- und Tonübertragung optimiert werden. Durch eine Vernetzung können sowohl professionelle Helfer vor Ort (z.B. Hausarzt oder Pflegekräfte) als auch pflegende Angehörige oder Ehrenamtliche bei Bedarf in Echtzeit palliativmedizinische Fachkompetenz einholen. Wir gehen davon aus, dass sich hierdurch die Lebensqualität der betroffenen Patienten, aber auch der betreuenden Angehörigen deutlich steigern ließe. Durch eine Vermeidung von stationären Einweisungen würden gleichzeitig Kosten eingespart. Eine US-Untersuchung hat kürzlich bei Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen heraus gefunden, dass höhere Behandlungskosten in der letzten Lebenswoche mit einer deutlich schlechteren Qualität von Leben und Sterben der Betroffenen einher ging: Palliativmedizin erhöhte die Qualität des Lebens und Sterbens bei gleichzeitiger Senkung der Kosten für die Solidargemeinschaft.

Ein solcher telemedizinischer Ansatz in der ambulanten Palliativmedizin wurde unter den Bedingungen des deutschen Gesundheitssystems nach unserem Kenntnisstand noch nicht versucht. Wir planen deshalb eine prospektive, kontrollierte Pilotstudie im Landkreis Ebersberg und in angrenzenden Landkreisen mit wissenschaftlicher Begleitung durch den Lehrstuhl für Palliativmedizin am Interdisziplinären Zentrum für Palliativmedizin des Klinikums der Universität München-Großhadern (Prof. Dr. Gian Domenico Borasio).


Wissenschaftliches Pilotprojekt

Im Mittelpunkt unserer Untersuchung werden der Patient und seine Angehörigen stehen. Die medizinische häusliche Betreuung und Begleitung Sterbender erfolgt durch den Hausarzt, der auf Wunsch und bei Bedarf durch die technische Vernetzung vor Ort jederzeit schnell Rat und Hilfe durch besonders qualifiziertes Palliativ-Fachpersonal erhält.

Studienkoordination und -leitung durch palliaHOMEmed mit Sitz in der Praxis Dres. Gnahn/Klein in Ebersberg.

Einschluss von 5 häuslich versorgten Palliativpatienten mit Bewusstseins- und/ oder Kommunikationsstörung im Rahmen einer neurologischen Grunderkrankungen (z.B. Schlaganfall, Demenz, ALS) bzw. einer neurologischen Folgeerkrankung oder Komplikation (z.B. Delir bei Hirnmetastasen) im Landkreis.

Installation einer möglichst einfachen, zuverlässigen und benutzerfreundlichen telemedizinischen Technik mit Bild- und Tonübertragung beim Patienten zuhause sowie an der Kreisklinik Ebersberg (Palliativeinheit bzw. SAPV-Team) und am IZP als überregionales Kompetenzzentrum.


Prüfung folgender Hypothesen:

Der Einsatz moderner, innovativer telemedizinischer Techniken in der ambulanten häuslichen Versorgung von Palliativpatienten mit Kommunikations- und/ oder Bewusstseinsstörungen

· Führt zu einer messbar verringerten Belastung von Patient und dessen Angehörigen in der letzten Lebensphase

· Reduziert signifikant die Inanspruchnahme bzw. Einsätze vor Ort, z.B. durch ärztlichen Bereitschaftsdienst, Notarzt, Hausarzt, (zukünftige) mobile Palliative-Care-Teams

· Reduziert statistisch signifikant die Anzahl der Krankenhauseinweisungen bzw. die Anzahl der Krankenhaustage zur Symptomkontrolle bzw. zur Bewältigung von Krisensituationen

· Ermöglicht einer signifikant größeren Anzahl von Patienten, zu Hause zu versterben

· Senkt signifikant die Gesamtbehandlungskosten für dieses Patientenkollektiv


Ziel der wissenschaftlichen Untersuchung ist eine mögliche Übernahme dieses innovativen Ansatzes in die spezialisierte ambulante palliativmedizinische Versorgung (SAPV).

Derzeit bemühen wir uns, ein geeignetes Studiendesign zu entwickeln, Kooperationspartner zu begeistern und ein tragfähiges Finanzierungskonzept zu erstellen.


Geplantes Projekt "palliaHOMEmed"